Strömungen des Salafismus

Der Salafismus ist eine Strömung innerhalb des sunnitischen Islam, der von sich behauptet den Islam gemäß der Praxis der ersten drei Generationen von Muslimen in der Frühzeit des Islam (7. bis 9. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung) zu praktizieren. Der Begriff Salafisten leitet sich vom Arabischen as-Salaf as-Salih ab, was so viel bedeutet wie „die frommen Altvorderen“. Prinzipiell gelten diese ersten Muslime nicht nur Salafisten als vorbildlich: Auch die meisten anderen Muslime werten die Salaf als besonders rechtgläubig.

Was die heutigen Salafisten von anderen Muslimen unterscheidet, ist ihr Anspruch den Koran und die Überlieferungen über das Handeln und die Gewohnheiten des Propheten Muhammad (die sogenannte Sunna) als einzige Gruppe korrekt zu befolgen.

Wie für alle anderen Muslime steht auch für Salafisten der Glaube an „die Einheit und Einzigartigkeit Gottes“, der tauhid, im Mittelpunkt. Aus diesem Prinzip leiten Salafisten ab, dass Allah (wörtlich übersetzt „der Gott“) alleinige Souveränität zukommt. Die göttliche Scharia ist aus ihrer Sicht das einzig gültige Recht, dem alle Menschen Folge zu leisten haben. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Salafisten Volkssouveränität und von Menschen gemachte Gesetze und damit auch die Demokratie als Ausdruck von Unglaube (Arabisch: kufr) ablehnen.

Der Salafismus stellt sich jedoch nicht als homogene Gruppe dar. Eine verbreitete Definition benennt drei Formen von Salafisten, die sich vor allem dadurch unterscheiden, wie sie den „reinen Islam der frommen Altvorderen“ zur Geltung führen wollen: Vor allem durch fromme, puristische Lebensführung gemäß ihres Verständnisses von Koran und Sunna, durch politischen Aktivismus oder gar unter Anwendung von Gewalt.

Puristische Salafisten verfolgen das Ziel, allein nach Koran und Sunna zu leben vor allem im privaten Bereich ihrer Gemeinschaft. Sie strukturieren das Leben in der Gemeinschaft und des Einzelnen strikt nach ihrem Verständnis der islamischen Offenbarung und der Scharia. Sie werden aber meist nicht aktiv, um die politische und gesellschaftliche Ordnung zu ändern. Konfliktpotential mit dem sozialen Nahfeld oder mit dem Staat ist aber verschiedentlich gegeben, etwa wenn einzelne Familien- oder Freundeskreismitglieder sich dem puristischen Salafismus zuwenden. Manche puristische Salafisten sind zudem in der da´wa, der Missionierungsarbeit (wörtl. dem „Ruf“ bzw. der „Einladung“) zum „reinen Islam“ aktiv und richten sich dabei in besonderer Weise an ihrer Ansicht nach „fehlgeleitete“ (d.h. also alle nicht-salafistischen) Muslime.

Auch politische Salafisten nutzen das Mittel der da´wa um ihrem Ziel der Verwirklichung der „reinen islamischen Lehre“ in Staat und Gesellschaft näher zu kommen, etwa bei Koran-Verteilungen. Ihr mittel- bis langfristiges Ziel ist es, die demokratische Ordnung (oder in anderen Staaten autoritäre Herrschaftssysteme) durch eine religiös-salafistische Ordnung zu ersetzen.

Gewaltorientierte (djihadistische) Salafisten sehen sich zur Anwendung von Gewalt gegen Staat und Gesellschaft legitimiert. Diese Gewaltanwendung gilt ihnen als Djihad: Als ein „heiliger Kampf“ der Verteidigung des „wahren Islam“. Die sich selbst als „Islamischer Staat“ bezeichnende Terrororganisation des IS ist die derzeit bekannteste djihadistische Gruppierung weltweit.

Das Weltbild aller drei salafistischen Strömungen ist letztlich aber das Gleiche: Die Einteilung der Welt in Gut und Böse, der Menschen in Gläubige und Ungläubige und die Ab- bzw. Entwertung aller anderen Lebensgestaltungen und Weltanschauungen außer der eigenen. Die Übergänge zwischen den drei Salafismus-Typen sind dabei fließend, puristische oder politische Salafisten können ein erster Kontaktpunkt für Menschen sein, die sich anschließend weiter radikalisieren.